Porträt.DianaBoscovic

„Bei aller Kraft und Genialität so krystallhell

Windfuhrs Werkstatt-Konzerte mit den Symphonikern Hamburg

Mittwoch 18.04.2018 19:30
HfMT, Forum

Franz Schubert: Symphonie Nr.7 h-Moll „Unvollendete“ (D 759)
Johannes Brahms: Doppelkonzert a-Moll, op. 102
Dijana Bošković: ONE für großes Orchester, UA
(Kompositionsklasse Prof. Dr. Manfred Stahnke und Prof. Frerik Schwenk)

Violine: Tanja Becker-Bender; Violoncello: Niklas Schmidt
Sitar: Jasdeep Singh Degun; Zurle: Goce Dimovski
Leitung: Ulrich Windfuhr

Die Komponistin über ONE:
Wir leben in einer Zeit, in der Informationen auf allen Gebieten des menschlichen Lebens schnell ausgetauscht werden. Daten, die den Zustand unseres Planeten übermitteln als auch Messungen aus dem Weltall erreichen uns täglich. Die Zusammenhänge und Auswirkungen unseres Tuns werden sichtbar: alles ist miteinander verbunden und voneinander abhängig. Kulturelle Grenzen verschieben sich, Globalisierung ändert die alteingesessenen Strukturen und alle Formen des menschlichen Lebens.
Um die Musik und Instrumente fremder Länder erfahren zu können, musste man im Jahr 1889 z.B. zur Weltausstellung nach Paris fahren wie damals Claude Debussy. Wie diese Erfahrung seine Musik verändert hat, hört man in seinen späteren Werken.
Wie geht es Komponist*innen von Heute? Ich selbst bin auf dem Balkan geboren. Dort kam ich in Kontakt mit Musik slawischen, westeuropäischen, türkischen und hindustanischen Ursprungs. Dazu kommt meine Ausbildung und Tätigkeit in Deutschland und die Begegnungen mit Künstler*innen und Student*innen aus der ganzen Welt. Für mich geht es nicht mehr um eine kulturelle Erweiterung und Entgrenzung, es geht vielmehr um ein Suchen nach dem inneren Halt in der Grenzenlosigkeit der verschiedensten Einflüsse. Es geht um eine alles verbindende Kraft. Das ist auch das Thema meiner Komposition ONE, und daher stammt auch dieser Titel.
Klassische Orchesterinstrumente werden mit drei exotischen Instrumenten aus der Folklore des Balkan und aus der geistig-spirituellen Tradition des fernen Ostens verbunden und gegenübergestellt: Sitar aus Indien, Zurle aus Mazedonien (eine Art Schalmei, die bei südostslawischen und muslimischen Völkern verbreitet ist) und die tibetischen Klangschalen. Jedem dieser Instrumente ist eine Verwendung zugewiesen, die aus der Eigenart der ursprünglichen Musiktradition stammt. Diese Eigenart bestimmt auch die damit verbundene Rolle dieser Instrumente in dem Stück: Zurle - Symbol für die naturalistische Welt und die Stimme der Natur, Sitar - Symbol für die spirituelle Seite im Menschen, das Orchester als Symbol unseres modernen Lebens und die Klangschalen als der Klang der Stille, aus dem alles entsteht und wieder vergeht.
Im Orchesterwerk ONE verschmilzt die musikalische Form eines westeuropäischen Rondos mit der Form einer indischen Raga. Ein Orgelpunkt - teils als Ostinatobass oder ein liegender Akkord, teils als Klang der gestrichenen Klangschalen oder nur als Geräusch - verbindet alle Teile der Komposition. Die Spannung in dem Stück, die sich von pianissimo in den Klangschalen bis zum fortissimo in allen Registern des Orchesters vollzieht, entwickelt sich durch die Entfremdung und Wiedervereinigung der obengenannten musikalischen Symbole: die des menschlichen Tuns, die der Natur und der spirituellen Welt.
Für den Zusammenhang des Menschen mit der Natur hat Paracelsus einen schönen Vergleich gezogen. Er sagt: "Es ist als ob die einzelnen Wesen in der Natur die Buchstaben wären, der Mensch aber das Wort, das aus diesen Buchstaben zusammengesetzt ist".

Eintritt: 10,00 EUR
Ermäßigt: 5,00 EUR
HfMT-Studierende: 3,00 EUR

Einführung um 18:45-19:15 im Forum

Ermäßigungen gelten für Schüler und Studierende sowie Berechtigte nach SGB