Grafik.AUFRUHR

Folter, Hexen, Inquisition. Die ‚dunkle Romantik‘ in der Populärkultur des 19. Jahrhunderts

Ringvorlesung: Romantischer Aufruhr

Prof. Dr. Sylvia Kesper-Biermann, Fakultät für Erziehungswissenschaft,Arbeitsbereich Historische Bildungsforschung, Universität Hamburg

Mittwoch 25.04.2018 18:00
HafenCity Universität Hamburg, Raum 150

Eine Spurensuche zwischen Aufbruch, Empfindsamkeit und Sentimentalität

„Glotzt nicht so romantisch!“ heißt es im ersten Akt von Brechts „Trommeln in der Nacht“. Anfang der 20iger Jahre galt die Verbalattacke der Münchner Bürgerlichen Gesellschaft. Diese ahnte noch nicht, dass hier das Samenkorn von Brechts späteren epischen Theaterstils erste Blätter zeigte. Was bewog den Autor sich derart vehement gegen „das Romantische“ zu wenden? Was ist und was war Romantik?

Im Sommersemester wagen wir einen Blick auf die Spielarten der romantischen Bewegung: Der Zeitraum von 1770 bis 1840 ist in der deutschsprachigen Literatur von einer immensen Produktivität gekennzeichnet. Die Lebensdaten von einigen der wichtigsten Autoren sind hier zu finden: Kleist, Novalis von Arnim, von Chamisso, Eichendorff....
Diese siebzig Jahre (Reinhart Koseleck nennt sie „Sattelzeit“) geben wesentliche Impulse für den Beginn der modernen bürgerlichen Gesellschaft. Die Französische Revolution von 1789 wird von den Zeitgenossen als entscheidendes Ereignis wahrgenommen. Mit ihr geht das Bewusstsein einher, dass ein „Neue Zeit“ anbricht. Politische und gesellschaftliche Erfahrungen werden erstmals als Beschleunigung wahrgenommen. Dieser neue Zeitbegriff durchzieht viele Bereiche des öffentlichen und intellektuellen Lebens.
Im Fahrwasser der Beschleunigungstendenzen etabliert sich auch die Gegenbewegung. Sie setzt auf Langsamkeit und Wiederholung. Gegen den Rationalitäts- und Transparenzglauben der Aufklärung postulierten die Kunstschaffenden das Geheimnishafte der Welt und starten den Versuch, die Wirklichkeit in Poesie zu verwandeln. Die Philosophie wendet sich von den klassischen Vorbildern der Antike ab (Schlegel). Der Begriff der geistigen Produktivität erhält eine Umwertung und wird auf die Ästhetik übertragen die damit zur neuen Leitdisziplin avanciert. Der traditionellen Naturnachahmung wird die Produktivität des Künstlers in seiner originären Wahrnehmung gegenübergestellt oder mit den Worten von Novalis: „Der Künstler selbst, nicht die Natur, produziert das Schöne.“ Eine Empfindsamkeit rückt in das Zentrum der künstlerischen Produktion und Reflexion. Das Romantisieren wirkt sich tief in den Alltag der Menschen aus: Das Romantische Erbe hat im zeitgenössischen Kontext Hochkonjunktur. Dabei ist es besonders die Werbeindustrie die, die Trennlinie in das Feld des Kitsches verschoben hat. Oder ist dies eine irrige Beobachtung?

Koordination
Prof. Frank Böhme, Hochschule für Musik und
Theater Hamburg / Dr. Antje Helbing, HafenCity
Universität Hamburg / Daniela Steinke, Dipl.-Theol.,
Zentrum für Weiterbildung, Universität Hamburg

Eintritt frei