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vom Fr., 22.05.2026

Trauer um Professorin Gudrun Schäfer

Weißes Logo der HfMT auf ockker farbenem Grund

Die Hochschule für Musik und Theater Hamburg trauert um Prof. Gudrun Schäfer, die am 22. April 2026 in Hamburg verstorben ist. Von 1998 bis 2000 war Gudrun Schäfer Vizepräsidentin der HfMT – als erste Frau in diesem Amt. Damit schrieb sie ein wichtiges Kapitel Hochschulgeschichte. Mit ihr verliert die Hochschule eine prägende Persönlichkeit, eine engagierte Professorin, eine streitbare im positiven Sinne unbequeme Hochschulpolitikerin und eine Wegbereiterin der Frauenförderung an unserem Haus.

Gudrun Schäfer war Professorin für Rhythmik an der HfMT und genoss europaweit ein hohes Ansehen in ihrem Fachgebiet. In Hamburg initiierte sie den ersten deutschen Rhytmikwettbewerb. In ihrer künstlerisch-pädagogischen Arbeit beschäftigte sie sich insbesondere mit dem Zusammenspiel von Musik, Bewegung, Wahrnehmung und sozialer Interaktion. Ihr Verständnis von Rhythmik ging über eine reine Bewegungs- oder Körperschulung hinaus. Sie betrachtete das Fach als interaktionspädagogisches Konzept, in dem musikalische, körperliche, räumliche und soziale Prozesse miteinander verbunden sind. Ihre Lehre war von Genauigkeit, Offenheit und einem tiefen Vertrauen in Bildungsprozesse geprägt.

Für die Geschichte der Hochschule bleibt Gudrun Schäfer vor allem auch als eine der frühen und entschiedenen Stimmen für Gleichstellung und Frauenförderung in Erinnerung. In einer Zeit, in der diese Themen an künstlerischen Hochschulen keineswegs selbstverständlich waren, stellte sie Fragen, die unbequem sein konnten und gerade deshalb notwendig waren: Wer kommt in der Musikgeschichte vor? Wer erhält Sichtbarkeit, Förderung, Verantwortung? Welche Strukturen ermöglichen Teilhabe – und welche verhindern sie?

Seit den späten 1980er Jahren engagierte sich Gudrun Schäfer in der aufkommenden Gleichstellungsarbeit. Sie begleitete deren institutionelle Verankerung in der HfMT und prägte ihre Wirksamkeit maßgeblich und nachhaltig. Sie war Frauenbeauftragte, gründete um 1990 den informellen Frauenausschuss an der damaligen HfM und wirkte von 1989 bis 2005 in der hochschulübergreifenden Gemeinsamen Konferenz für Frauenstudien und Frauenforschung Hamburgs mit, die bis heute besteht. Viele Jahre lang übernahm sie Verantwortung in Fachbereichsrat, Gleichstellungsarbeit und Hochschulleitung. Von 1998 bis 2000 war sie Vizepräsidentin der Hochschule – als erste Frau in diesem Amt. Damit schrieb sie ein wichtiges Kapitel Hochschulgeschichte.

Sie war eine jener Personen, die nicht nur Positionen innehatten, sondern Räume öffneten: Räume für Diskussion, für Widerspruch, für Forschung, für künstlerische Beiträge von Frauen, für eine Hochschule, die sich ihrer blinden Flecken bewusst wurde.

Bei aller Strenge in der Sache darf nicht vergessen werden, dass Gudrun Schäfer im persönlichen Umgang ein sehr humorvoller Mensch war, der herzhaft lachen konnte und immer für einen Spaß zu haben war (legendär war ihre Bewerbung als Sängerin beim Popkurs).

Die Hochschule für Musik und Theater Hamburg ist Gudrun Schäfer zu großem Dank verpflichtet. Ihr Wirken bleibt Teil unseres Hauses.

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