Skip to main content
Text "Musiktheorie" auf blauem Hintergrund

Ernst Levys A Theory of Harmony

Theoretische Rekonstruktion und Anwendungspotenziale in Analyse und Komposition
Öffentlicher Vortrag im Rahmen der Abschlussprüfungen MA-Musiktheorie von Robin Moll
Montag, 01.06.2026 18:00 HfMT, Raum 201

Ernst Levys A Theory of Harmony stellt einen ungewöhnlichen und im gegenwärtigen musiktheoretischen Diskurs nur randständig rezipierten Ansatz dar, der ein umfassendes, holistisch gedachtes Modell der Harmonik zu entwerfen versucht. Im Zentrum steht die Ableitung tonaler Relationen aus der Struktur eines Generators sowie aus den Prinzipien polarer Klanggenese und dynamischer Strebung. Ausgangspunkt bildet die Tabula Pythagorica als Ordnungsmodell harmonischer und arithmetischer Tonverhältnisse, aus deren Divisions- und Multiplikationsreihen sich Funktionstöne, Klangbildungen und Modelle harmonischer Organisation entwickeln.
Levys Ansatz knüpft an spekulative und dualistische Traditionen der Harmonik an, transformiert diese jedoch zu einem eigenständigen, generatorisch fundierten System. Entscheidend ist dabei die Distanzierung von einer primär physikalistischen Begründung harmonischer Relationen. Dabei bildet weniger die akustische Naturgegebenheit als vielmehr die mathematisch-logische Struktur der Tonverhältnisse den Ausgangspunkt der Betrachtung. Klänge werden in ihrer Genese nicht auf ein Fundament zurückgeführt, sondern als Ausfaltungen eines Generators verstanden; das Fundament bleibt dabei ein nachgeordnetes – tellurisches – Hilfskonstrukt der klanglichen Realisation. Gerade daraus ergeben sich jedoch zentrale Spannungsfelder, insbesondere im Verhältnis von Generator und Fundament, von abstrakter Klanggenese und konkreter klanglicher Stabilisierung sowie in der Deutung polarer und gravitativ gedachter Kräfteverhältnisse.
Vor diesem Hintergrund richtet sich der Vortrag neben der Darstellung der systeminternen Grundlagen auf die Frage, inwiefern sich Levys Ansatz für die Analyse harmonischer Zusammenhänge sowie als Grundlage kompositorischen Denkens fruchtbar machen lässt. Dabei zeigt sich, dass Levys Theorieentwurf trotz systematischer Ambivalenzen produktive analytische und kompositorische Potenziale besitzt. Seine Stärke liegt weniger in der Bereitstellung eines vollständig geschlossenen Systems als in der Eröffnung alternativer Perspektiven auf harmonische Organisation, tonale Spannung und generatorische Strukturierungsprozesse.

Eintritt frei