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Doktor Faustus – Redaktion der Moderne

Fach laut Studienplan
Studium Generale
Lehrende
Termin
Freitags, 10-12:30 (Beginn 24.04.26) Insgesamt zehn Termine: 24.04.; 08.05.; 15.05.; 29.05; 05.06.; 12.06.; 19.06.; 26.06.; 03.07.; 10.07. Anmeldung: Bitte bis zum 31.03.2026 an benjamin.sprick@hfmt-hamburg.de Für Samstag, den 09.05.2026 ist eine erste, öffentliche Präsentation im Mendelssohn-Saal geplant.
Raum
Keine Angabe
Dauer
3 Semesterwochenstunden
Beschreibung

Thomas Manns Doktor Faustus. Das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde ist vieles in einem: ein antifaschistischer Roman eines Deutschen, der sein Land liebte, sich aber nach dem Untergang des Dritten Reichs nicht dazu entschließen konnte, in die verfluchte Heimat zurückzukehren; ein Künstlerroman à la Nietzsche, der ästhetische Produktion als fortschreitende Auszehrung und Selbstzerstörung beschreibt; eine philosophische Versuchsanordnung, die um die Frage kreist, wie in der Moderne Kunst möglich und beschaffen sein könne – und noch so einiges mehr. Dieser Roman ist ein einzigartiges Kraftfeld verschiedenster Disziplinen, eine Topologie der musikalischen – und nicht bloß musikalischen – Moderne, und die Fragen, die er in diesem Kraftfeld formuliert, scheinen uns auch 2026 diskutierenswert.
Das heißt freilich nicht, dass wir vor diesem – sicher nicht leicht zu lesenden – Roman in eine Art hermeneutischen Starrkrampf verfallen sollten. Kein Werk ist ein heiliger Text. Ob es kanonisch ist, bemisst sich nicht an Auflage und Ausstattung von Schmuckausgaben, sondern daran, ob sich jetzt damit arbeiten lässt. Es ist deswegen das Ziel dieses Seminars, verschränkt mit der gemeinsamen Erschließung des Textes, aus dem Text des Romans musikalisch-performative Projekte zu entwickeln, die im Wintersemester 2026/27 geplant und durchgeführt werden sollen. Aus diesem Grund ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Studierenden der Musik und der darstellenden Künste der tragende Grund dieses Projekts.
Das Sommersemester ist im Wesentlichen der Lektüre gewidmet. Wir wollen mit einer gemeinsamen nächtlichen Lesung des ersten Romanviertels beginnen; wenn sich das bewährt, soll das Format fortgesetzt werden. Im Seminar werden wir über klassisch hermeneutische Versuchsanordungen, das Hören von Musik und die Erschließung der zahlreichen theoretischen Diskussionen, die Mann ins Kraftfeld dieses Romans integriert hat, in sein unübersichtliches Terrain eindringen. Im letzten Semesterdrittel sollen dann schon mögliche Projekte für das Wintersemester erörtert werden. Denkbar wäre zum Beispiel:
● eine Dekonstruktion von Beethovens letzter Klaviersonate op. 111, die – namentlich durch die Beschreibung, die Thomas Mann von ihr gibt – zum Mythos des Spätwerks überhaupt avancierte. Lässt sich dieser Mythos aufrechterhalten? Was sagen uns Spätwerke anderer Komponist:innen? Ist der Begriff heute noch aktuell?
● das sogenannte „Teufelsgespräch“: d.h. des Komponisten Unterredung mit einem abgründig-diabolischen musikalischen Philosophen, der ihm nahelegt, dass man der unendlichen Schwierigkeit moderner Kunst Werke abzutrotzen: wenn man nämlich – der Titel des Romans deutet ja darauf hin – sich „dem Teufel verschreibe“. Aber was bedeutet das? Was bedeutete es damals? Was heute?
● eine szenische Montage von tragenden Motiven des Faust-Komplexes – von Marlowe bis Paul Valéry
● Kurzkompositionen, die die in diesem Roman beschriebenen Werke Leverkühns beispielhaft aussetzen (dies auch in Verbindung mit dem Vorigen)
● Aufführungen von Werken, die in den theoretischen Kreis dieser literarischen Musikphilosophie fallen
● Lesung von Texten zeitgenössischer Komponist:innen, von denen das Gleiche gilt etc.
Die Aufführung(en) soll(en) nicht an der Hochschule stattfinden, sondern öffentlich sein. Wir sondieren gerade die dafür zur Verfügung stehenden Möglichkeiten.

Literatur

Thomas Mann, Doktor Faustus. Das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde, in der Fassung der großen Frankfurter Ausgabe, Frankfurt am Main: Fischer, 2012.

Credits
3 Creditpoints
Bemerkung

Wenn Sie gerne am Seminar teilnehmen möchten, angesichts des auch für Muttersprachler:innen nicht gerade einfachen Textes jedoch auf eine englische Übersetzung ausweichen möchte, setzen Sie sich bitte mit uns in Verbindung. Wir finden da auf jeden Fall eine Lösung.
Das Seminar richtet sich an Studierende der künstlerischen Studiengänge in Musik, der Schulmusik, an Schauspielstudierende, Studierende der Dramaturgie und der Regie. Je heterogener die Ansprüche sind, die an diesen Text herangetragen werden, desto besser!
Zur Erlangung von Credit Points sind Interesse an der Verbindung von Theorie und künstlerischer Praxis, ein Vortrag im Seminar sowie eine schriftliche Reflexion erforderlich. Es werden verschiedene Zugänge zur Theoriearbeit erprobt, u.a. dialogisches Lesen, Clustering oder KI-gestützte Lektüren. Eine fakultative Teilnahme ohne Vergabe von Credit Points ist ebenfalls möglich und erfolgt nach Rücksprache mit den Lehrenden.

Module
Modul Regie 1 Schauspiel, Modul Regie 2 Schauspiel, Modul Schauspiel 1, Modul Schauspiel 2, Modul Schauspiel 3, Wahlmodul Master Dramaturgie, Abschlussmodul Musik Regie, Musiktheater, Regie Schauspiel, Wahlmodul 2 Regie Musiktheater, Regie Schauspiel, Wahlmodul freie Wahl (alle Studiengänge), Studium generale Wahlmodul Master, Wahlmodul 1 Regie, Wahlmodul 2 Regie