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Affirmative Nachhaltigkeit II

Fach laut Studienplan
Politiken & Ästhetiken
Lehrende
Katharina Alsen , Dr. Benjamin Sprick
Raum
Keine Angabe
Dauer
1.5 Semesterwochenstunden
Beschreibung

Das Blockseminar knüpft an das künstlerisch-wissenschaftliche Symposium »Affirmative Nachhaltigkeit« am 17.04.2026 in der Theaterakademie an. Es greift zentrale Fragestellungen der Veranstaltung auf und vertieft diese in gemeinsamer Lektüre und Diskussion.

In politischen und medialen Debatten wird ein nachhaltiger Umgang mit Ressourcen meist negativ dargestellt und mit Verlust und Einschränkung assoziiert. Die Künste und ihre Geschichte zeigen eine alternative Perspektive: Praktiken wie Maßhalten, Reduzieren oder bewusstes Weglassen können produktiv und positiv sein. Dieses Verständnis wird als »affirmative Nachhaltigkeit« bezeichnet. Das Seminar untersucht, wie künstlerische Ansätze Verzicht und maßvollen Ressourceneinsatz bejahend gestalten und damit eine produktive ›Epistemologie des Mangels‹ eröffnen. Im Mittelpunkt stehen hierbei ökologische und soziale Dimensionen von Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeit wird dabei vor allem als Beziehungsarbeit verstanden – zwischen Menschen, Materialien, Ressourcen, Institutionen und ästhetischen Formen. Diese Perspektive knüpft an kulturtheoretische, soziologische und philosophische Positionen des 21. Jahrhunderts an.

Angesichts von Klimawandel, Biodiversitätsverlust und sozialer Ungleichheit dominieren oft technische oder politische Lösungsansätze das Diskursgeschehen. Weniger beachtet wird im Konzert der Meinungen und Positionen die Kraft kultureller Imagination: Welche Zukunftsbilder können wir entwerfen und wie beeinflusst unser Handeln das Register künstlerischer Utopien? Nachhaltigkeit kann als produktive Praxis gedacht werden, die eigene ästhetische und soziale Qualitäten besitzt. Besonders die performativen Künste bieten hierfür ein geeignetes Forschungsfeld. Sie sind prozessual und flüchtig verfasst, arbeiten mit lebendigen Körpern und basieren auf der Beziehung zwischen Darsteller:innen und Publikum. Dadurch können Beziehungen neu gestaltet, Materialien wiederverwendet und Ressourcen bewusster eingesetzt werden.

In der Praxis der performativen Künste kann Verzicht – etwa auf große Bühnenbilder oder energieintensive Prozesse – zur Quelle ästhetischer Innovation werden. Minimalismus, Umnutzung und Offenheit erscheinen nicht als Mangel, sondern als kreative Herausforderung, aus der neue Formen der Erfahrung von Raum, Körper, Material und Publikum entstehen, die im Seminar im Anschluss an das Symposium gemeinsam diskutiert werden.

Literatur

Ingolfur Blühdorn (2024): Unhaltbarkeit. Auf dem Weg in eine andere Moderne, Berlin; ders. et al. (Hg.) (2019): Nachhaltige Nicht-Nachhaltigkeit, Bielefeld; Camilla Brudin Borg et al. (Hg.) (2024): Contemporary Ecocritical Methods, Lanham; Robert Fleck (2023): Kunst und Ökologie, Wien/Hamburg; Ulrich Grober (2010): Die Entdeckung der Nachhaltigkeit. Kulturgeschichte eines Begriffs, München; Daniela Hahn et al. (Hg.) (2015): Ökologie und die Künste, Paderborn; Kai Mitschele et al. (Hg.) (2013): Werkbegriff Nachhaltigkeit. Resonanzen eines Leitbildes, Bielefeld; Maren Möhring (2023): „Von Mangel und Überfluss. Ökonomische Knappheitskonzepte vom 16. Jahrhundert bis zum Anthropozän“, Geschichte und Gesellschaft; Andreas Reckwitz (2024): Verlust. Ein Grundproblem der Moderne, Berlin; Hartmut von Sass (Hg.) (2026): Zukunftsemotionen, Berlin; Iphigenia Taxopoulou (2023): Sustainable Theatre. Theory, Context, Practice, London; Lisa Woynarski (2020): Ecodramaturgies. Theatre, Performance and Climate Change, Cham; Theatre Green Book. A Guide to Sustainable Theatre Practice, London.

Credits
2 Creditpoints
Bemerkung

Zur Erlangung von Credit Points sind Interesse an der Verbindung von Theorie und künstlerischer Praxis, ein Kurzvortrag im Seminar sowie eine schriftliche Reflexion erforderlich. Eine fakultative Teilnahme ohne Vergabe von Credit Points ist ebenfalls möglich und erfolgt nach Rücksprache mit den Lehrenden.

Anmeldung: Bitte bis zum 17.04.2026 an katharina.alsen@hfmt-hamburg.de und benjamin.sprick@hfmt-hamburg.de

Module
Modul Theorie Master Dramaturgie, Wahlmodul Master Dramaturgie, Theorie 1, Theorie 2, Theorie 1, Theorie 2, Modul Theorie 1 Schauspiel, Regie Schauspiel, Regie Musiktheater, Modul Theorie 2 Schauspiel, Regie Schauspiel, Regie Musiktheater, Modul Theorie 3 Schauspiel, Regie Schauspiel, Regie Musiktheater, Wahlmodul 2 Regie Musiktheater, Regie Schauspiel, Wahlmodul freie Wahl (alle Studiengänge), Wahlmodul Lehramt, Studium generale Wahlmodul Master, Wahlmodul 1 Regie, Wahlmodul 2 Regie