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Foto: Das Studio: Taizhi Shao

Hamburg Contemporary

Nono - La Fabbrica Illuminata und ….don’t push the sounds... - Neue Klaviermusik
Frauke Aulbert – Gesang & Studierende des Praxisseminars Neue Klaviermusik von Bernhard Fograscher
Montag 13.05.2024 20:00 HfMT, Forum

„Fabbrica dei morti la chiamavano” (“Sie wird die Fabrik der Toten genannt“) wußte Luigi Nono in einem Gespräch mit Hartmut Lück im Jahre 1972 zu berichten. Es war einer der vielen Berichte und Slogans der Arbeiter italienischer Fabriken in der Nähe Turins, die Nono im Jahr 1962/63 führte und die er schließlich für seine Komposition „La Fabbrica Illuminata“ (für Sopran und Elektronik) verwenden sollte. Das Stück entstand im Kontext des Arbeiterkampfs in Italien und sorgte auch für politischen Sprengstoff: Die geplante Uraufführung in einer Fabrik nahe Genua wurde abgesagt und verboten, da Nono Beleidigung der Regierung vorgeworfen wurde. Das Stück kam 1964 bei der Biennale in Venedig zur Uraufführung. Insgesamt arbeitet Nono in dem Stück mit Aufnahmen aus der Fabrik (Arbeitslärm und Gespräche), Musik für Sopran und elektronischer Musik. Folgen Sie der renommierten Sopranistin Frauke Aulbert in die Klangwelt dieses einzigartigen Stücks Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts!

…. don’t push the sounds… not even a little bit…?

Morton Feldman und Karlheinz Stockhausen stecken als Antipoden den Rahmen des Konzerts des Seminars Neue Klaviermusik ab. Unter der Leitung von Bernhard Fograscher entstand ein breitgefächertes Programm mit Klaviermusik von 1925 – 2022. Feldmans sphärische Last Pieces entstanden fast zeitgleich mit Stockhausens legendärem Klavierstück IX, die bahnbrechende experimentelle Klavierbehandlung von Henry Cowells Banshee aus dem Jahr 1925 (!) inspirierte Generationen von Komponisten. Mit Echo Dance von Hector Docx und caught in a dream von Julius Benedikt von Lorentz gibt es zwei ganz taufrische Stücke junger Komponisten aus den Jahren 2020 und 2022 zu hören. Dazwischen China Gates von John Adams als kurzer Ausflug in die Minimal Music, und ein Auszug aus Giacinto Scelsis transzendentaler Suite Bot-Ba. Alle Musik die wir kennen war einst Neue Musik. Aber manche Musik ist neuer als andere.

“I advise you to leave the sounds alone; don't push them; because they're very much like human beings - if you push them, they push you back. So if I have a secret it would be, 'don't push the sounds'." And he leaned over me and he said, "Not even a little bit?" (Morton Feldman und Karlheinz Stockhausen)

Mitwirkende: Lukas Becker, Julia Cao, Leonie Hesse, Maria Moliszewska, Sebastian Gabriel Müller, Viktoria Petkowa, Yanhao Yang
Ltg. Bernhard Fograscher


Programm:
Luigi Nono (1924-1990)
La Fabbrica Illuminata

Frauke Aulbert, Sopran, Elektronik
Sina Fani Sani, Elektronik

Kurze Umbaupause

Hector Dox (*1992)
Echo Dance

Yanhao Yang, Klavier

Henry Cowell (1897-1965)
The Banshee

Viktoria Petkova

Morton Feldman (1926-1987)
Last Pieces 1

Lukas Becker

Giacinto Scelsi (1905-1988)
aus Bot-Ba: V

Sebastian Gabriel Müller

John Adams (*1947)
China Gates

Leonie Hesse

Morton Feldman (1926-1987)
Last Pieces 2

Lukas Becker

Julius Benedikt v. Lorentz (*2003)
Caught in a Dream

Julia Cao

Morton Feldman (1926-1987)
Last Pieces 3

Lukas Becker

Karlheinz Stockhausen (1928-2007)
Klavierstück IX

Maria Moliszewska

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Die Woche der neuen Musik erlebt eine Neuauflage! Vom 13. bis 16. Mai 2024 werfen abermals Akteur:innen ihren Hut in den Ring, die sich der aktuellen Musik – und den Klassikern der Moderne – verschrieben haben.

Nein und dann eben doch: Zwei Jubiläen von Kompositionsurgesteinen fallen auf das Jahr 2024 und trotzdem stellt sich Hamburg Contemporary nicht einzig in das Licht von Arnold Schönberg (150. Geburtstag) und Luigi Nono (100. Geburtstag), auch wenn es so naheliegend und einfach gewesen wäre. Denn im Licht sollen die wirklich Zeitgenössischen stehen, die jungen Musiker:innen, die hier ihre Bühne bekommen! Ganz verzichtet wird auf die Musik der Jubilare und deren Zeitgenossen dennoch nicht, und so spielen Studierende und Lehrende aus den unterschiedlichen Instrumentalbereichen gleich mehrere Klassiker der Moderne: Schönbergs „Pierrot Lunaire“ und seine Streichermusik, sowie Nonos „La Fabbrica Illuminata“. Mit dem Klavierrezital jüdischer Komponist:innen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird teilweise in Vergessenheit geratene Musik dargeboten.
Tönen, scheppern und dröhnen wird es bei den Klassenabenden der Kompositionsklassen aus Rostock und Hamburg sowie dem Klavierkonzert des Praxisseminars zu neuer Klaviermusik! Der Austausch der Kompositionsklassen wird in Zukunft mit einem Gegenbesuch in Rostock abgerundet werden. Der Abschlusstag wartet dann noch mit zwei Höhepunkten auf: Miniaturen für drei Violinen werden von Mitgliedern des Ensemble Resonanz dargeboten. Das kleine Festival wird abgerundet durch ein Ensemblekonzert: Studierende der HfMT spielen ausgesuchte Werke renommierter – und Achtung: noch lebender! – Komponist:innen!

Eintritt frei

Eine Anmeldung ist notwendig und erfolgt über eventbrite.

Veranstaltungen im Überblick:
13.05., 18:00 Uhr - Kompositionsklassenabend Rostock
13.05., 20:00 Uhr - Nono: La Fabbrica Illuminata und Klaviermusik: ...don’t push the sounds… not even a little bit…?
14.05., 19:00 Uhr - Kompositionsklassenabend Hamburg
15.05., 17:30 Uhr - Klavierrezital jüdischer Komponisten des frühen 20. Jahrhunderts
15.05., 19:00 Uhr - Pierrot Lunaire: Meilenstein der klassischen Moderne
15.05., 20:00 Uhr - Streichermusik Schönbergs
16.05., 19:00 Uhr - Miniaturenwunderland - Ensemble Resonanz @ HfMT

Die Veranstaltungen werden gefördert durch die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius. Sie sind Teil der neuen Reihe Hamburg Contemporary.